Ein Verkaufsstopp mit langfristigem Nutzen?
Mit dem jüngsten Beschluss der Bundesregierung zum Verkaufsstopp für staatliche Agrarflächen in Ostdeutschland sehen sich viele Landwirte in ihrer Existenz bedroht. Der Entschluss, welcher einhergeht mit einer veränderten Vergabepolitik hin zu Pachtverhältnissen, die nachhaltigkeitsorientierte Wirtschaftsweisen fördern, markiert einen paradigmatischen Wandel in der Agrarpolitik. Doch was auf den ersten Blick als Entzug ökonomischer Perspektiven wirkt, kann in der Gesamtschau zu einer notwendigen Maßnahme für die Zukunft der Landwirtschaft avancieren.
Auf den ersten Blick mögen die Forderungen der Bauernverbände nachvollziehbar erscheinen. Eine fortwährende Privatisierung würde vermutlich die Bildung kleinerer, privater Höfe erleichtern und den lokalen Landwirten das Gefühl geben, ihr eigenes Schicksal unmittelbarer in den Händen zu halten. Der Verkauf von Land bedeutet für viele die Möglichkeit, zu wachsen und sich eine dauerhafte wirtschaftliche Basis zu verschaffen.
Doch gerade in Ostdeutschland ist der Blick zurück lehrreich: Die seit der Wiedervereinigung anhaltende Privatisierung hat zur Konzentration von Agrarflächen in den Händen weniger Großbetriebe geführt. Kleinere Betriebe stehen im Wettbewerb oft hintenan und die landwirtschaftliche Vielfalt schwindet. Die Verpachtung staatlicher Flächen kann daher einen Gegenpol zur Landkonzentration darstellen und ihrerseits die Diversität der Agrarstrukturen fördern, wenn sie klug und ausgewogen gehandhabt wird.
Zentral ist dabei der Fokus auf Nachhaltigkeit und Ökologie, den die Bundesregierung verfolgt. Es ist unbestritten, dass die Landwirtschaft mit vielfältigen Herausforderungen konfrontiert ist – Klimawandel, Bodenerosion und Artensterben. Die Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien bei der Vergabe von Pachtflächen setzt Anreize für einen schonenden und verantwortungsbewussten Umgang mit Ressourcen. Bauern, die zu einer ökologischen Transformation der Landwirtschaft beitragen, erhalten dadurch Entwicklungsmöglichkeiten und daher eine Perspektive für eine wirtschaftlich tragfähige Zukunft.
Die Förderung von Junglandwirten durch die neuen Regeln ist nicht minder bedeutend für die Vitalität des ländlichen Raums. Die Schaffung von Perspektiven für die nachfolgenden Generationen ist essenziell, um das Land und dessen Wirtschaft lebendig zu halten und um Abwanderungen in die Städte entgegenzuwirken.
Auch der Überführung eines Teils der Flächen ins nationale Naturerbe liegt eine zukunftsweisende Strategie zugrunde. Es gilt, Biodiversität zu schützen und zu mehren, denn sie ist die Grundlage für eine gesunde Landwirtschaft und für das ökologische Gleichgewicht insgesamt.
Es ist nachvollziehbar, dass die unmittelbaren ökonomischen Beschränkungen Sorgen bei den Bauern auslösen. Jedoch erfordert die Komplexität der globalen ökologischen Herausforderungen ein Umdenken, das nicht bei kurzfristigen Profiten Halt machen darf. Der Schutz und die nachhaltige Bewirtschaftung von Ackerland ist eine Investition in die Zukunft – eine, die nicht in Hektaren, sondern in Generationen gemessen wird.
Jedoch darf die Umsetzung nicht ohne die Belange der Landwirte erfolgen. Es bedarf eines Dialogs und einer aktiven Einbindung der Betroffenen, um die Umsetzung der neuen Richtlinien so gestalten zu können, dass sie den Bauern realistische und erreichbare Wege aufzeigen. Nur so kann die angestrebte Transformation gelingen und auch bei den Landwirten auf Akzeptanz stoßen.
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