Lehrer fehlen, Schüler verzweifeln – und die Politik schaut zu
In Ostdeutschland brennt die Hütte, und zwar lichterloh. Während Politiker in Berlin von Chancengleichheit und Bildungsrepublik schwadronieren, sieht die Realität in Sachsen, Brandenburg und Co. düster aus: Lehrkräftemangel und fehlende Schulplätze sind hier keine abstrakten Probleme, sondern bittere Alltagserfahrung. Da werden Schulen für Millionenbeträge neu gebaut, nur um dann festzustellen, dass nicht einmal die Hälfte der Unterrichtsstunden abgedeckt werden kann. In Chemnitz zum Beispiel, wo Schüler der 5. und 6. Klassen teilweise mit lächerlichen 13 Stunden Unterricht pro Woche abgespeist werden. Fächer wie Biologie, Geschichte oder Physik? Fehlanzeige.
Und das ist kein Einzelfall. In Brandenburg sind fast 18 Prozent aller Lehrkräfte ohne Lehramtsbefähigung im Einsatz, auf dem Land sogar fast ein Viertel. Da werden Seiteneinsteiger ins kalte Klassenzimmer geworfen, weil schlichtweg niemand anderes da ist. Die Schülerzahlen steigen, die Lehrerzahlen sinken – eine explosive Mischung, die seit Jahren tickt. Der Lehrermangel trifft dabei vor allem die schwächsten Schüler: Kinder mit Lernschwierigkeiten, Kinder aus bildungsfernen Haushalten, Kinder, die Unterstützung bräuchten, aber stattdessen in überfüllten Klassen sitzen, in denen die Lehrer schlichtweg nicht die Kapazitäten haben, sich um sie zu kümmern.
Die Verantwortlichen? Die wiegeln ab, reden von „Herausforderungen“ und „gemeinsamen Anstrengungen“. Doch was nützen all die Sonntagsreden, wenn die Realität von Montag bis Freitag eine andere ist? Wenn Eltern nicht wissen, ob ihre Kinder morgen überhaupt Unterricht haben? Wenn Schüler von Schule zu Schule geschickt werden, weil es schlichtweg keinen Platz für sie gibt? Der Bildungsnotstand ist längst da, doch anstatt endlich gegenzusteuern, wird verwaltet und kleingeistig gespart. In Sachsen sind bereits 1000 Stellen für Lehrkräfte unbesetzt – eine Zahl, die im kommenden Schuljahr noch steigen wird. Und währenddessen geht die Politik in den Wahlkampf mit wohlklingenden Versprechen, die seit Jahren nicht eingelöst werden.
Aber es gibt doch Quereinsteiger! Heißt es dann oft. Klar, in einer Notsituation ist jeder Lehrer besser als kein Lehrer. Doch wenn diese Quereinsteiger selbst nach Jahren im Schuldienst immer noch keine vollwertige Lehramtsausbildung haben, wenn sie kaum auf den Beruf vorbereitet wurden, wenn sie trotz aller Bemühungen fachlich oft nicht mithalten können – dann ist das keine Lösung, sondern eine Notmaßnahme, die dauerhaft auf Kosten der Bildung geht. Ein Viertel der neuen Lehrer in Ostdeutschland hat keine reguläre Lehrerausbildung – eine Zahl, die in keinem anderen Bundesland so hoch ist. Das Resultat? Unterrichtsausfall, überforderte Pädagogen und ein Schulsystem, das immer mehr Schüler durch das Raster fallen lässt.
Die Leidtragenden? Die Schüler. Die Eltern. Die Lehrkräfte, die täglich unter widrigsten Bedingungen versuchen, den Schulalltag zu meistern. Und auf lange Sicht? Die gesamte Gesellschaft. Denn Bildung ist nicht nur ein schönes Schlagwort für Wahlkampfreden, sondern die Grundlage für alles: für soziale Teilhabe, für wirtschaftliche Entwicklung, für Demokratie. Ein Bildungssystem, das scheitert, produziert nicht nur schlecht ausgebildete Absolventen, sondern auch Frust, Wut und Resignation. Und die zeigt sich dann in Wahlergebnissen, in denen sich immer mehr Menschen von den etablierten Parteien abwenden, weil sie sich im Stich gelassen fühlen.
Es ist ein Offenbarungseid der Bildungspolitik. Während in Sonntagsreden von der Wichtigkeit der Bildung gesprochen wird, zeigt sich von Montag bis Freitag ein anderes Bild: marode Schulen, überfüllte Klassen und Lehrkräfte, die am Limit sind. Die Leidtragenden sind die Schüler, die um ihre Zukunft betrogen werden. Und das in einem Land, das sich als Bildungsnation rühmt. Ein Armutszeugnis sondergleichen.
Die Lösung? Die gibt es nicht von heute auf morgen. Aber eines ist klar: So kann es nicht weitergehen. Es braucht endlich ernsthafte Investitionen in Bildung, und zwar nicht nur in Beton, sondern vor allem in Menschen. Es braucht eine Wertschätzung für den Lehrerberuf, die sich nicht nur in Worten, sondern auch in Taten zeigt. Und es braucht eine Politik, die nicht länger die Augen vor der Realität verschließt, sondern endlich handelt. Sonst bleibt von der viel beschworenen Bildungsrepublik Deutschland bald nur noch eine leere Hülle übrig.
Und vielleicht, nur vielleicht, sollten die Verantwortlichen einmal eine Woche lang in einer ostdeutschen Schule verbringen. Ohne Sonderbehandlung, ohne vorbereitete PR-Bilder, ohne geschönte Statistiken. Einfach nur eine Woche lang den echten Alltag erleben – dann würde sich zeigen, wie ernst sie es mit der Bildung meinen. Denn wer nach einer Woche in einer unterbesetzten Schule immer noch behauptet, es sei alles unter Kontrolle, der hat entweder ein Problem mit der Realität oder ein erschreckend großes Talent für Selbstbetrug.
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