Schluss mit leeren Versprechen in der Kommunalpolitik
Wenn wir von Jugendpolitik sprechen, begegnen uns oft dieselben Floskeln: „Junge Menschen sind unsere Zukunft.“ „Ihre Stimme zählt!“ Doch die Realität ist ernüchternd: Die Jugend ist seit Jahren eine stumme Beobachterin, die in politischen Diskussionen kaum Gehör findet. In Krisen wie der Pandemie zeigte sich ihr Stellenwert deutlich. Schulen und Freizeitstätten wurden mit erschreckender Leichtigkeit geschlossen, und junge Menschen blieben die Letzten, die eine Rückkehr zur Normalität erleben durften. Das Vertrauen der Jugend in die Institutionen wurde tief erschüttert.
Dabei ist es eine Illusion zu glauben, dass junge Menschen unpolitisch sind. Im Gegenteil: Nie war eine Generation so sensibilisiert für Themen wie Klimawandel, Digitalisierung und soziale Gerechtigkeit. Doch die Enttäuschung über die politische Klasse ist greifbar. Über 70 Prozent der Generation Z fühlen sich von der Politik nicht gehört und nicht ernst genommen. Ein gravierendes Problem in einer Demokratie, die auf das Engagement aller Altersgruppen angewiesen ist. Die Schuld für die Abkehr vieler Jugendlicher liegt nicht bei Social-Media-Plattformen, sondern in der politischen Kultur des Verschweigens und der Ignoranz.
Schauen wir auf die Kommunalpolitik: Hier gibt es ein enormes Potenzial. Junge Menschen haben überraschend viel Vertrauen in Bürgermeister und lokale Verwaltungen, weit mehr als ältere Generationen. Doch wie nutzt die Kommunalpolitik dieses Vertrauen? Jugendparlamente, die in verstaubten Ratssälen tagen, sind kaum geeignet, um junge Menschen einzubeziehen. Es braucht innovative, digitale Beteiligungsformate. Aber nicht nur das: Die Anliegen der Jugend müssen endlich ernst genommen werden. Es geht nicht um die bessere Erklärung bestehender Politik, sondern um echte Mitgestaltung.
Politiker, die sich als woke oder jugendlich inszenieren, ernten oft nur Hohn. Authentizität ist gefragt, keine aufgesetzten TikTok-Videos. Junge Menschen wollen Lösungen für reale Probleme: Wohnungsnot, schlechte Bildungsinfrastruktur, Unsicherheiten in der Altersvorsorge. Wenn diese Themen nicht ehrlich und klar angegangen werden, können wir kaum erwarten, dass die Jugend ihre Hoffnungen in die Politik setzt. Die Jugend ist eine Ressource, die Kommunalpolitik dringend heben muss. Sie bringt Leistungsbereitschaft und kreative Lösungsansätze mit. Doch es ist an der Zeit, ihre Fragen ernst zu nehmen und neue, mutige Wege in der politischen Partizipation zu gehen.
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