In Deutschland geboren, ostdeutsch geworden

Ein Gefühl der Identität in der Nachwende-Generation

In Deutschland geboren, ostdeutsch geworden – das ist kein Widerspruch, sondern eine Identität, die im Laufe der Jahre immer deutlicher wird. Für die Generation, die nach der Wiedervereinigung aufgewachsen ist, stellt sich oft die Frage: Was bedeutet es, ostdeutsch zu sein? Elisabeth Winkler trifft mit ihrem Text einen Nerv. Sie beschreibt genau das Gefühl, zwischen zwei Welten zu stehen, geprägt von einer Vergangenheit, die die Eltern noch direkt erlebten, und einer Gegenwart, in der die Unterschiede zwischen Ost und West nicht mehr so offensichtlich sind. Doch sind sie wirklich verschwunden?

Die Nachwende-Generation hat eine einzigartige Chance. Sie wächst mit ostdeutschen Wurzeln auf, aber in einer Welt, die ihren Eltern in den 90er Jahren noch verschlossen blieb. Die jungen Ostdeutschen können sich heute im Westen frei bewegen, beruflich und sozial aufsteigen, und all das erreichen, was ihre Eltern nicht konnten. Aber der Preis dafür ist oft die Entfremdung von den eigenen Wurzeln. Dabei ist es keineswegs falsch, sich als Ostdeutscher zu fühlen oder diese Identität zu pflegen. Bayern fühlen sich als Bayern, Schwaben als Schwaben, Friesen als Friesen, Rheinländer als Rheinländer – warum also sollten Ostdeutsche nicht stolz auf ihre Herkunft sein? Es ist richtig, sich mit dieser Identität auseinanderzusetzen, sie zu hinterfragen und zu leben.

Die Frage ist nicht, ob man sich als Ostdeutscher definieren soll, sondern was diese Identität heute ausmacht. Sind es nur die gebliebenen Unterschiede oder kann die Nachwende-Generation eine neue, selbstbewusste ostdeutsche Identität entwickeln, die mehr ist als bloß eine Erinnerung an die Vergangenheit? Dabei geht es auch um das Gefühl der Zugehörigkeit, um eine Gemeinschaft, die oft unterschätzt wird. Diese Identität ist nicht mehr nur geprägt von der Geschichte der DDR, sondern von der Frage, wie man sich heute in Deutschland als Ostdeutscher behauptet.

Elisabeth Winkler hat recht: Die ostdeutsche Identität ist da, ob man sie bewusst lebt oder nicht. Aber der Blick auf die Nachwende-Generation zeigt, dass diese Identität im Wandel ist. Sie ist nicht mehr bloß ein Abbild der Wendezeit, sondern etwas Lebendiges, das sich weiterentwickelt. Ostdeutschland ist kein Relikt der Vergangenheit, sondern eine wichtige Facette des heutigen Deutschlands.

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