Kultur und Widerstand

Ein Kampf gegen rechtsextreme Unterwanderung im Osten Deutschlands

Die politische Landschaft im Osten Deutschlands, insbesondere nach den europäischen und kommunalen Wahlen, spiegelt eine Tendenz wider, die nicht ignoriert werden darf: Eine wachsende Neigung zu rechter und rechtsextremer Ideologie, die nicht nur die politischen, sondern auch die kulturellen Sphären durchdringt. Die Europa- und Kommunalwahlen haben dies deutlich gemacht, und es ist alarmierend, wie schnell rechte Gedanken auch in kulturellen Kontexten auf Zustimmung stoßen.

Es ist unbestreitbar, dass die Situation im Osten des Landes vielschichtig ist. Die Realität der rasenden Fahrt nach Bautzen ist eine Fahrt durch Verzweiflung und Angst – eine Flucht vor der Erkenntnis, dass sich eine Spaltung in der Gesellschaft vertieft. Kultur- und Bildungsarbeiter*innen im Osten arbeiten hart, um die Gesellschaft zu stärken und Zusammenhalt zu fördern, doch sie stehen vor der gigantischen Herausforderung, dem aufkommenden Rechtsextremismus zu begegnen.

Es ist traurig, aber wahr, dass rechtsextreme Einstellungen unter Jugendlichen im Osten Deutschlands wieder als „cool“ gelten, ein Zeichen für besorgniserregende gesellschaftliche Verschiebungen. Dies ist jedoch nicht zufällig entstanden. Es ist das Resultat systemischer Probleme – ein harter, ungezügelter Kapitalismus und eine jahrzehntelange Vernachlässigung der ostdeutschen Bundesländer sind wesentliche Faktoren, die zu dieser Entwicklung beigetragen haben. Die Enttäuschung über nicht erfüllte Versprechen und wirtschaftliche Stagnation lässt in manchen Köpfen den extremen Rechtsruck als attraktive Alternative erscheinen.

Kulturelle Initiativen wie die „Happy Monday Initiative“ bieten einen Silberstreif der Hoffnung. Sie zeigen, dass Kultur nicht nur eine Form des Widerstands gegen die rechte Unterwanderung sein kann, sondern auch ein Mittel zur Förderung der Vielfalt und der demokratischen Werte. Die Präsenz solcher Programme während des Aufschwungs der AfD verdeutlicht jedoch auch, wie fragil diese positiven Ansätze sind. Die sofortige Nachfrage der AfD bezüglich der Finanzierung dieser kulturellen Aktivitäten nach den Wahlen signalisiert, dass die rechte Bedrohung auch finanzieller Natur ist – eine direkte Gefährdung für den Fortbestand dieser lebenswichtigen Initiativen.

In der Auseinandersetzung mit der Gegenwart müssen wir auch die Geschichte im Blick behalten. Die kritischen Stimmen aus dem Osten, die anmerken, dass „die Wende nicht zu Ende ist“, und der Mangel an Aufarbeitung des Nationalsozialismus in Schulen, zeigen, dass wir in der Bildung und Kultur gegen das Vergessen und für eine kritische Reflexion der Vergangenheit kämpfen müssen. Ohne diese Auseinandersetzung lassen sich die aktuell vorherrschenden rechtsradikalen Tendenzen nicht effektiv bekämpfen.

Es ist an der Zeit, dass der Westen solidarisch handelt und seine Ressourcen teilt, um die Kultur im Osten zu stärken und nicht nur aufzuklären, sondern zu unterstützen. Kulturelle Einrichtungen – egal ob Theater, soziokulturelle Zentren oder Bildungsträger im Osten – bedürfen Partnerschaften und solidarischer Unterstützung, um weiterhin als Bastionen gegen den Faschismus und als Ressourcen der Bildung und der menschlichen Entwicklung wirken zu können.

Die Mahnung ist eindeutig: Sollten wir es nicht schaffen, unsere Lebenslust und Politiken der sozial-ökologischen Gerechtigkeit einzusetzen, um den kapitalistischen Zerstörungen entgegenzuwirken, könnte der Osten lediglich ein Vorbote für ähnliche Entwicklungen im Westen sein. Faschismus ist ein Problem, dem wir uns gemeinsam stellen müssen.

Es braucht Räume, es braucht Möglichkeiten, es braucht Investitionen in eine Kultur, die die junge Generation erreicht und sie anregt, sich an einer demokratischen Gesellschaft zu beteiligen. Denn nur so schaffen wir es, das Ruder herumzureißen und einer fortschreitenden rechten Unterwanderung entgegenzuwirken. Die Kultur darf nicht zum Spielball rechtsradikaler Agenden werden – sie ist unsere stärkste Waffe im Kampf um die Köpfe und Herzen der nächsten Generation.

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