Es ist mehr als ein kritischer Punkt in der Geschichte der sächsischen Kulturlandschaft erreicht: Mit der Streichung des Denkmalpflegeprogramms „National wertvolle Kulturdenkmäler“ durch den Bund wurde nicht nur die älteste Einrichtung ihrer Art – seit 1950 Garant für die Erhaltung von über 713 Kulturdenkmälern deutschlandweit – ausrangiert, sondern auch ein stiller Hilferuf der Zeitzeugen unseres Landes ignoriert. Diese Entscheidung ist ein herber Rückschlag für die Bewahrung national bedeutender Schauplätze unserer Vergangenheit.
Betrachten wir exemplarisch das Schicksal des Schlosses Kuckuckstein in Liebstadt, ein in Privatbesitz befindliches Gemäuer mit tausendjähriger Geschichte – bislang gefördert, nun verlassen im sturmumtobten Meer der finanziellen Ungewissheit. Wenn selbst Ko-Finanzierungen auf Landesebene die entstandene Finanzierungslücke nur mit Mühe schließen können, was sagt dies dann über die Bedeutung des Bundes für den Erhalt unserer Kultur aus?
Die Notlage ist nicht nur für das Schloss spürbar. Auch der Johannesfriedhof in Dresden mit seinen historischen Gräbern, die Zeugnis der Entwicklung einer ganzen Epoche sind, muss sich nun neuen Herausforderungen stellen. Nach Jahren, in denen Visionen dank Bundesförderung Wirklichkeit werden konnten, steht die Kultur nun auf wackeligen Beinen – zerbrechlich und bedroht.
Die Kulturstaatsministerin Claudia Roth betonte in der Vergangenheit, es sei unsere Aufgabe, herausragende Denkmäler für zukünftige Generationen zu schützen. Wenn diese Worte mehr sind als nur ein Echo in den Hallen der Politik, warum dann dieser schwindende Einsatz für das kulturelle Erbe? Die gestrichenen Mittel waren mehr als Geld – sie waren eine Investition in Identität, Bildung und Zusammenhalt.
Es bleibt die Tatsache, dass die Länder allein dieses Erbe nicht tragen können. Diese Situation betont die Notwendigkeit einer starken und fortlaufenden Partnerschaft mit dem Bund, ohne welche die Bewahrung unserer national wertvollen Kulturdenkmäler zu einem Kampf gegen Windmühlen wird.
Eingeführte alternative Programme mögen für manche ein Hoffnungsschimmer sein, aber sie ersetzen keineswegs die spezifische Förderung, die das Programm „National wertvolle Kulturdenkmäler“ bereitstellte. Wenn wir als Kulturnation eine Zukunft wollen, in der Generationen von einer reichen Geschichte umgeben sind, dann können wir es uns nicht leisten, solche essenziellen Programme verkümmern zu lassen.
Es sind letztlich nicht nur Steine und Strukturen, die dem Verfall preisgegeben werden – es sind die Narrativen eines Landes, die Stille, die durch das Fehlen von Restaurierung entsteht. Finanzierung ist keineswegs ein Selbstzweck; es ist die Anerkennung der Wichtigkeit der Vergangenheit für unsere Gegenwart und Zukunft.
Bevor wir zulassen, dass weitere finanzielle Streichungen zu kulturellen Lücken innerhalb unserer Gesellschaft führen, müssen wir als Gemeinschaft einen Schritt zurücktreten und überdenken, was es bedeutet, Kultur zu schätzen. Die Zeit, in der sächsische Kulturschätze unangetastet vom politischen Spardruck bleiben konnten, scheint vorbei. Doch wir müssen uns fragen – sind wir bereit, diesen Preis zu zahlen?
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