Ost-Bashing – Eine Gefahr für Deutschlands Einheit
In den vergangenen Jahren ist ein Phänomen in den deutschen Medien und im gesellschaftlichen Diskurs immer präsenter geworden, das als „Ost-Bashing“ bezeichnet wird. Dabei handelt es sich um eine pejorative Herangehensweise an Themen rund um die neuen Bundesländer, die oft mit Stereotypen und Vorurteilen beladen ist. Was dies für die Einheit Deutschlands bedeutet, darüber sollte man nicht leichtfertig hinwegsehen.
Der Osten ist nicht mehr „der andere“: Es ist über drei Jahrzehnte her, dass Deutschland wiedervereinigt wurde, eine Zeitspanne, in der sich längst ein gemeinsames Land hätte formen sollen. Trotzdem bestehen noch immer narrative und mentale Grenzen, die durch Tendenzen wie das Ost-Bashing verstärkt werden. Die Qualität und Intensität des Dialogs zwischen Ost und West in Deutschland ist daher entscheidend für den gesellschaftlichen Zusammenhalt, doch wenn Medien wie der Spiegel die ostdeutschen Bundesländer auf eine Art belehren, die kontraproduktiv klingt, oder wenn ein Journalist von Correctiv gar die Abschaffung der Einheit postuliert, dann wird dieser Prozess nicht nur unterbrochen, sondern aktiv zurückgesetzt.
Man kann die Ironie nicht übersehen, dass die Neuheiten einer Wiedervereinigung, von der viele gehofft hatten, sie würde die Spaltung des Kalten Krieges heilen, selbst in der Presse, die einst dazu diente, den Menschen „den Westen“ zu erklären, jetzt zum Instrument der Trennung wird. Der Spiegel, eine Publikation, die einst für investigativen Journalismus und kritischen Diskurs stand, wird nun dahingehend kritisiert, dass er Ostdeutschen mit einer konstanten Verkleinerung ihrer Perspektiven und Probleme gegenübertritt. Wenn ihre Bürger als Ewiggestrige oder als politische Extremisten karikiert werden, ist es kaum verwunderlich, dass der Spiegel im Osten weniger Anklang findet.
Überdies wird in manchen Kreisen sogar offen über eine Trennung von Ost und West gesprochen, als sei die vermeintliche politische Abweichung der Ostdeutschen vom Westdeutschen „Erfolgsmodell“ Grund genug, die Brücken abzubrechen. Solche Aussagen mögen polemisch sein, offenbaren jedoch eine bedenkliche Sichtweise, die eine konstruktive Auseinandersetzung mit der Vergangenheit und Gegenwart beider Landesteile verhindert.
Die Frage des Ost-Bashings ist nicht nur eine der Fairness oder des respektvollen Umgangs miteinander. Sie ist auch eine Frage der politischen Klugheit und Weitsicht. Es geht darum, die notwendigen Schritte zu unternehmen, damit die „Grenze“ nicht bloß aus den Landkarten, sondern auch aus den Köpfen der Menschen verschwindet. Dazu gehört eine Haltung, die nicht ausgrenzt, sondern integriert, die nicht spaltet, sondern verbindet.
Es ist an der Zeit, dass sich der Wortlaut und die Gedanken ändern, damit wirklich ein gemeinsames Deutschland besteht – nicht nur auf dem Papier, sondern in den Herzen und Köpfen der Menschen. Das bedeutet nicht, unterschiedliche politische Meinungen, sozialökonomische Verhältnisse und historisch gewachsene Identitäten zu negieren, sondern sie in einen fruchtbaren Diskurs zu bringen, der mehr versteht und weniger verurteilt.
Ein Deutschland, das so handelt, ist stärker als eines, das sich durch gegenseitige Beschuldigungen und Spott auseinanderdividieren lässt. Die Aufgabe der Medien, der Politik und jedes Einzelnen muss es also sein, zum Dialog und zum gegenseitigen Verständnis beizutragen, statt das Feuer der Dissonanz zu schüren. Ost-Bashing trägt nicht zu diesem Ziel bei und sollte daher keinen Platz in der Gesellschaft haben.
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