Ein Aufruf zum Handeln für echte Gleichstellung
Es ist ein paradoxes Zeugnis unserer Zeit, dass der DGB Sachsen einen Negativpreis ins Leben rufen muss, um die Missstände in Hinblick auf Gleichstellung anzuprangern. Der „Ungleichstellungspreis“ wirft ein Schlaglicht auf eine Problematik, die tief in der Gesellschaft verankert ist: Trotz Jahrzehnten des Fortschritts und der Bemühungen werden Frauen und andere benachteiligte Gruppen immer noch in vielen Bereichen des Lebens zurückgesetzt.
Der Preis soll nach Angaben von Daniela Kolbe, der stellvertretenden Vorsitzenden des DGB Sachsen, insbesondere jene Strukturen und Akteure identifizieren, die aktiv gegen Gleichstellung arbeiten. In einer Welt, die sich Gleichberechtigung auf die Fahnen schreibt, ist es beschämend, dass ein solcher Preis notwendig ist. Doch es ist eine Maßnahme, die verdeutlicht, dass die Realität oft weit entfernt von Idealvorstellungen der Gleichberechtigung ist.
Es ist ein offenes Geheimnis, dass Frauen in Sachsen – und überall in Deutschland – für dieselbe Arbeit weniger entlohnt werden als Männer, häufiger in Teilzeit arbeiten müssen und selten in Führungspositionen anzutreffen sind. Die Einrichtung des Ungleichstellungspreises reflektiert nicht nur diese Ungleichheiten, sondern setzt auch ein unverkennbares Zeichen, dass es so nicht weitergehen kann.
Die Gleichstellung am Arbeitsplatz muss verbessert werden. Flexible Arbeitszeitmodelle, transparente Gehaltsstrukturen und verbindliche Quoten für Führungspositionen sind nur einige der Maßnahmen, die zur Verbesserung der Gleichstellung in der Arbeitswelt beitragen können. Es geht aber auch um grundlegende Einstellungen und den Abbau von Stereotypen, die Frauen sowie Minderheiten in berufliche Schablonen pressen und ihre Entwicklungsmöglichkeiten einschränken.
Im täglichen Leben bedarf es einer verstärkten Sensibilisierung und Bildungsarbeit zum Thema Gleichstellung. Jeder Mensch kann dazu beitragen, indem respektvolle Interaktion zwischen den Geschlechtern gefördert und Diskriminierung in jeder Form entgegengetreten wird. Es beginnt mit der Sprache und endet bei der Verteilung von Hausarbeit und der Betreuung von Kindern.
Die Initiative des DGB Sachsen ist daher mehr als ein lauter Ruf nach Aufmerksamkeit – es ist eine klare Aufforderung zum Handeln. Sie zeigt, dass die Bekämpfung von Diskriminierung und die Förderung von Gleichstellung in Sachsen und im gesamten Land eine ständige Herausforderung bleiben.
Weitere Informationen zur Initiative und zur Einreichung von Vorschlägen finden Interessierte auf der Webseite des DGB Sachsen. Es ist zu hoffen, dass dieser Preis nicht nur als Mahnung verstanden wird, sondern auch als Motivation dient, Gleichstellungsmaßnahmen in allen Bereichen des Lebens aktiv voranzutreiben. Die tatsächliche Gleichstellung in der Gesellschaft bleibt ein unvollendetes Projekt, für das jeder Einzelne Verantwortung tragen muss.
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