Jenseits von Chips und Tesla

Wirtschaftliche Einseitigkeit gefährdet Ostdeutschlands Zukunft

Ostdeutschland steht an einem wirtschaftlichen Wendepunkt, der sowohl Chancen als auch Risiken mit sich bringt. Mit dem Aufkommen von Großinvestitionen, wie der Chipfabrik in Magdeburg und der Tesla-Gigafactory in Brandenburg, winkt die Aussicht auf Reindustrialisierung und wirtschaftlichen Fortschritt. Doch Vorsicht ist geboten, denn die Vergangenheit zeigt: Die Abhängigkeit von wenigen Großkonzernen ist ein zweischneidiges Schwert.

Die wirtschaftliche Entwicklung in Ostdeutschland nach der Wende ist kein reines Erfolgsmärchen. Die Fokussierung auf einzelne Industriezweige und das Versprechen von Arbeitsplätzen und Wachstum durch globale Player haben nicht für alle eine spürbare Verbesserung gebracht. Stattdessen sehen wir Orte, wo der soziale Frieden bedroht ist und sich die extreme Rechte festsetzt – ein erschreckend deutlicher Fingerzeig, was wirtschaftliche Eintönigkeit und prekäre Beschäftigungsverhältnisse für die gesellschaftliche Stabilität bedeuten können.

Ostdeutschland muss sich hüten, erneut in die Falle der Monoindustrialisierung zu tappen. Der Niedergang der Solarindustrie, trotz massiver staatlicher Subventionen, sollte als Mahnmal dienen. Wenn die Politik nicht umdenkt und weiterhin derartige Summen in einzelne Projekte pumpt, ohne eine diversifizierte Wirtschaftsstruktur zu fördern, könnte eine „Komplett-Deindustrialisierung“ die unvermeidliche Folge sein. Das wäre nicht nur ein ökonomischer Rückschlag, sondern könnte auch politische Extremisten stärken.

Um den vielschichtigen Herausforderungen zu begegnen, braucht es einen Paradigmenwechsel. Anstatt wenige Mega-Projekte zu fördern, sollte in eine Vielzahl mittlerer und kleiner Unternehmungen investiert werden. Diese Strategie kann eine robustere, widerstandsfähigere Wirtschaft schaffen, die auf Innovation, Qualifikation und Flexibilität setzt und den Menschen in den Regionen zugutekommt.

Zudem müssen wir die Bedeutung von Bildung und beruflicher Qualifizierung verstehen und fördern. Eine gut ausgebildete Bevölkerung ist das A und O für die Attraktivität einer Region für Unternehmen aus einer Vielfalt von Sektoren. Auch die Stärkung der lokalen und regionalen Wirtschaftskreisläufe sowie die Verbreitung vertikaler Integration können dazu beitragen, Wertschöpfung in der Region zu halten und sie weniger anfällig für globale Marktschwankungen oder Managemententscheidungen zu machen, die fernab ostdeutscher Betriebe getroffen werden.

Wir dürfen nicht passiv zusehen, wie eine erneute Deindustrialisierung droht, sondern müssen aktiv eingreifen, um den Strukturwandel in Ostdeutschland positiv zu gestalten. Dafür bedarf es einer vorausschauenden Politik, welche die Warnzeichen erkennt und konsequent für eine Pluralisierung der Wirtschaftslandschaft eintritt. Nur so können wir gewährleisten, dass der Osten nicht nur Chips und Teslas hervorbringt, sondern auch eine vielfältige und zukunftssichere Wirtschaftsstruktur entwickelt, die allen Bürgern Perspektiven bietet.

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