Der Lehrkräftemangel in Sachsen-Anhalt
Der Lehrkräftemangel in Sachsen-Anhalt hat sich zu einer akuten Krisensituation entwickelt, die den Bildungsstandort nicht nur vor gewaltige Herausforderungen stellt, sondern zugleich die Zukunftschancen einer ganzen Generation junger Menschen aufs Spiel setzt. Mit der jüngsten Ausschreibung von 339 Lehrerstellen, darunter 64 sogenannte G-Stellen für besonders schwer besetzbare Positionen, reagiert das Bildungsministerium zwar auf diese prekären Engpässe, aber der bloße Ruf nach „Weltenrettern“ reicht nicht aus, um das strukturelle Übel an der Wurzel zu packen.
Schulform | Anzahl der ausgeschriebenen Stellen |
Grundschule | 73 |
Förderschule | 32 |
Sekundarschule | 79 |
Gemeinschaftsschule | 40 |
Gymnasium | 58 |
Gesamtschule | 9 |
Berufsbildende Schule | 33 |
Regionalstellen | 15 |
Gesamt | 339 |
Die Problematik des Lehrermangels in Sachsen-Anhalt ist vielschichtig. Einer der Hauptgründe liegt in der jahrelangen Unterschätzung des Bedarfs an Lehrkräften durch die Bildungspolitik. Hinzu kommt die Alterung der Lehrerschaft, eine hohe Abwanderungsrate junger Pädagog*innen, unattraktive Rahmenbedingungen und die Tücke des demografischen Wandels. Ländliche Regionen werden hierbei besonders hart getroffen, da sie im Wettbewerb um qualifiziertes Personal oftmals den Kürzeren ziehen.
„Lehrkräfte sind die Architekten unserer Zukunft. Sie formen nicht nur Köpfe, sondern auch Herzen und Charaktere. Daher ist ihre Arbeit von unschätzbarem Wert für die Gesellschaft. Wir suchen engagierte Lehrkräfte und Lehrkräfte im Seiteneinstieg, die mit Leidenschaft die Schülerinnen und Schüler auf ihrem Weg begleiten und sie zu selbstbewussten, kritischen und verantwortungsbewussten Menschen heranwachsen lassen.“
Eva Feußner, Bildungsministerin des Landes Sachsen-Anhalt
Bildungsministerin Eva Feußner betont, dass Lehrkräfte als „Architekten unserer Zukunft“ eine tragende Rolle spielen. Dieser Aussage ist zweifelsohne beizupflichten. Doch müssen den wohlklingenden Worten auch Taten folgen. Eine Zulage für G-Stellen, wenngleich ein Schritt in die richtige Richtung, ist nicht mehr als ein Pflaster auf einer klaffenden Wunde. Lehrkräfte formen tatsächlich „Köpfe, Herzen und Charaktere“, aber sie benötigen dafür Ressourcen, Anerkennung und Perspektiven, was über das monetäre hinausgeht.
Eine langfristige Lösung des Lehrkräftemangels in Sachsen-Anhalt bedarf eines ausgereiften Maßnahmenpakets. Es beginnt mit einer zielgerichteten Bildungspolitik, die einerseits die Ausbildungskapazitäten an den Universitäten erhöht und andererseits den Lehrberuf durch attraktivere Arbeitsbedingungen und Anreize aufwertet. Ein weiterer Schritt muss die Förderung des Seiteneinstiegs sein, welcher durch begleitende Qualifizierungen Qualität und Professionalität sicherstellt.
Ferner sollte die Bildungspolitik innovative Modelle der Unterrichtsgestaltung und Schulorganisation fördern. Konzepte wie Team-Teaching, digitale Lehr- und Lernformate oder alternative Schulkonzepte können dazu beitragen, dass Lehrkräfte effizienter eingesetzt werden und mehr Freude an ihrem Beruf empfinden – was wiederum die Attraktivität des Lehrerberufs steigert.
Um dem Mangel entgegenzuwirken, muss Sachsen-Anhalt zudem eine aktive Rückgewinnung von Lehrkräften betreiben. Dies schließt auch die Unterstützung von Lehramtsstudierenden mit ein, wie etwa durch Stipendien oder Verpflichtungen zum Verbleib im Land nach Abschluss des Studiums für eine bestimmte Zeit.
Schließlich ist es unerlässlich, dass Sachsen-Anhalt ein breites gesellschaftliches Bündnis für Bildung schmiedet. Bildungspolitik darf nicht länger als isolierte Aufgabe einzelner Ressorts betrachtet werden. Sie ist eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung, die Akteure aus Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft umfasst.
Die Suche nach „Weltenrettern“ ist zwar eine charmante Metapher für eine enorme Herausforderung, jedoch muss die Bildungspolitik in Sachsen-Anhalt begreifen, dass langfristige und tiefergehende Strategien notwendig sind, um den Lehrkräftemangel zu beheben. Es erfordert Mut, Kreativität und einen ehrlichen Dialog mit allen Beteiligten.
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