Chemnitz steht 2025 als Europäische Kulturhauptstadt im Scheinwerferlicht Europas – eine einmalige Chance für die Stadt, sich von ihrer besten Seite zu präsentieren und ein Kulturfest der Superlative zu inszenieren. Jedoch schwebt ein Damoklesschwert über dem Großereignis: das Risiko einer weiteren „Bahnblamage“. Denn ohne adäquate Verbesserungen im öffentlichen Personen- und Fernverkehr droht die Kulturhauptstadt zum Schauplatz logistischer Pannen zu werden.
Die jüngsten Erlebnisse zur Europameisterschaft 2024 in Leipzig haben in sächsischen Landen unübersehbare Spuren hinterlassen. Die unzureichende Anbindung und die Mängel im Bahnservice haben das Bild Deutschlands als Gastgeberland getrübt. Für Chemnitz, das bislang fernab des Fernverkehrsnetzes ein Schattendasein fristet, steht viel auf dem Spiel.
Wir befinden uns in einem Wettlauf gegen die Zeit. Trotz jahrzehntelanger Appelle liegt Chemnitz im Bereich des Schienenfernverkehrs immer noch in der Peripherie der Aufmerksamkeit. Mit lediglich zwei täglichen IC-Verbindungen aus der Hauptstadt an die industrielle Perle Sachsens ist das Angebot eine Farce angesichts der kommenden Herausforderungen. Die geplante spärliche Erhöhung der Zugverbindungen im Sommer vermag keinesfalls den erwarteten Ansturm von Millionen internationaler Gäste zu bewerkstelligen.
Erschwerend kommen die Signale aus der Bundespolitik, welche alles andere als ermutigend sind. Während manche Stimmen gar von einer Reduktion der Bahnverbindungen sprechen, wächst in Chemnitz das Verlangen nach einer adäquaten Schieneninfrastruktur. Die kolportierten Einsparungspläne der Deutschen Bahn, insbesondere im Fernverkehrsbereich, stimmen nicht hoffnungsvoll. Sie deuten darauf hin, dass die infrastrukturelle Kluft zwischen Ost und West weiter vergrößert anstatt geschlossen wird.
Es ist nahezu paradox: Eine Stadt, die für ein Jahr Europas kulturelles Zentrum werden soll, kämpft um grundlegende Mobilitätsanforderungen. Die fehlende Fernbahnanbindung steht beispielhaft für Diskrepanzen in der deutschen Verkehrspolitik und könnte sich als offene Wunde im Bild einer fortschrittlichen Nation offenbaren. Es ist nicht nur ein logistisches, sondern auch ein imagebildendes Risiko für Chemnitz und den Freistaat Sachsen.
Die Bahninitiative Chemnitz und die Stimmen der Fahrgastverbände haben wiederholt nach einer Beschleunigung des Ausbaus der Infrastruktur gerufen, doch das Tempo gleicht einer Schnecke – fernab des nötigen Wandels. Die BIC weckt die Hoffnung, dass durch ein breites Bündnis aus Wirtschaft, Kultur und Politik, ein Umdenken initiiert werden kann, doch die bisherige Resonanz ist ernüchternd.
Jenes Kulturhauptjahr muss nun als Katalysator für eine Entwicklung genutzt werden, die schon längst hätte in Gang gesetzt werden müssen. Nur durch einen sofortigen und konsequenten Ausbau in die Wege geleitete Projekte im ÖPNV und Fernverkehr, können wir eine weitere blamable Vorstellung vermeiden.
Chemnitz als Kulturhauptstadt 2025 hat das Potenzial, ein lebendiges Zeugnis deutscher Kultur und Innovation zu werden. Doch ohne eine leistungsstarke, verlässliche Bahnverbindung, die den Anforderungen einer modernen Großveranstaltung gerecht wird, droht das Ereignis zu einem Sorgenkind der Mobilität zu werden. Die Zukunft steht auf dem Spiel – es ist die Verantwortung der politischen Entscheidungsträger, diese Chance nicht verstreichen zu lassen.
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