Vom Gefühl der Benachteiligung zum wirtschaftlichen Erfolg

Warum der Osten besser dasteht, als viele denken

Es ist eine stille Erfolgsgeschichte, die oft im Lärm politischer Debatten und Krisen untergeht: Der Osten Deutschlands hat sich in den letzten Jahren wirtschaftlich beeindruckend entwickelt. Arbeitsplätze sind entstanden, Einkommen gestiegen, und die Infrastruktur in den neuen Bundesländern ist besser denn je. Doch wer darüber spricht? Wenige. Die Wahrnehmung in der Bevölkerung bleibt häufig anders, geprägt von einem tiefen Gefühl der Benachteiligung und einem politischen Klima, das gerne von den Extremen ausgeschlachtet wird. Dabei ist die Kluft zwischen der objektiven wirtschaftlichen Realität und der subjektiven Wahrnehmung der Menschen besonders groß.

Viele Menschen im Osten fühlen sich nach wie vor abgehängt. Doch warum? Staatsminister Carsten Schneider bringt es auf den Punkt: Es ist die noch sehr präsente Wahrnehmung der schweren Jahre nach der Wende, die positive Entwicklungen überlagert. Damals prägten Abwanderung und hohe Arbeitslosigkeit das Bild der ostdeutschen Regionen. Diese Erfahrungen haben sich tief ins kollektive Gedächtnis eingebrannt. Die Folge ist, dass selbst in Zeiten wirtschaftlichen Aufschwungs dieses Gefühl der Unsicherheit und Unzufriedenheit bestehen bleibt. Und das, obwohl die Fakten etwas anderes sagen.

Die Zahlen belegen es: In den letzten zehn Jahren haben sich die Arbeitsplätze im Osten stabilisiert, die Einkommen sind gestiegen – und das sogar schneller als im Westen. Diese Erfolge werden jedoch oft von politischen Kräften am Rand ausgenutzt, die den Menschen immer wieder einreden, sie seien benachteiligt. Ein gefährlicher Teufelskreis, der mit jedem Wahlerfolg rechtspopulistischer Parteien noch tiefer verankert wird.

Es ist aber nicht nur die Aufgabe der Politik, diesen Teufelskreis zu durchbrechen. Auch die Wirtschaft spielt eine wichtige Rolle. Unternehmerinnen und Unternehmer müssen stärker für die Demokratie einstehen und sich politisch engagieren, anstatt sich nur auf ihre Gewinnmargen zu konzentrieren. Natürlich ist die Situation herausfordernd: Corona-Pandemie, Energiekrise und der russische Angriffskrieg haben die Bedingungen immer wieder verändert. Doch gerade jetzt ist es wichtig, dass sich die wirtschaftliche Elite in den neuen Bundesländern nicht ins Schneckenhaus zurückzieht, sondern Verantwortung übernimmt und sich aktiv in die politische Debatte einmischt.

Die Förderung Ostdeutschlands ist ein weiterer zentraler Punkt. Seit der Wende sind immense öffentliche Gelder in die neuen Bundesländer geflossen, besonders in die Infrastruktur. Autobahnen, Schienennetze, Städtebau – all das hat nicht nur dem Osten, sondern ganz Deutschland genutzt. Doch es geht nicht nur ums Geld. Es geht um die gesellschaftliche Teilhabe. Viel zu wenige Ostdeutsche sind in Führungspositionen zu finden, sei es in der Justiz, in der Wirtschaft oder in der Verwaltung. Diese strukturellen Unterschiede verstärken das Gefühl, fremdbestimmt zu sein.

Es wäre jedoch ein Fehler, die Förderung infrage zu stellen, nur weil die Erfolge nicht immer sofort wahrgenommen werden. Die objektiven Kriterien zeigen klar, dass die Förderung funktioniert. Was jedoch fehlt, ist die Kommunikation dieser Erfolge. Die Menschen müssen stärker erfahren, wie gut sich der Osten entwickelt. Es darf nicht sein, dass dieser Aufschwung im Schatten politischer Angst- und Hasskampagnen verblasst.

Es geht darum, welchen Weg die Menschen in Ostdeutschland für die Zukunft wählen. Bleiben sie gefangen in einem Gefühl der Benachteiligung, das von politischen Kräften ausgenutzt wird? Oder erkennen sie die Chancen, die der wirtschaftliche Aufschwung und eine stärkere gesellschaftliche Teilhabe bieten?

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