Ein gefährlicher Trend?
Die aktuelle Shell-Jugendstudie offenbart einen scheinbar widersprüchlichen Trend: Während Extremisten auf Plattformen wie TikTok massive Reichweiten erzielen und die AfD bei Erstwählern Rekordergebnisse verbucht, bleibt die Mehrheit der deutschen Jugend laut der Studie linksorientiert. Der Populismus jedoch findet beunruhigend viel Gehör, besonders bei denjenigen, die sich abgehängt fühlen. Auffällig ist, dass der Rechtsruck vor allem bei jungen Männern zu beobachten ist, während sich junge Frauen eher links positionieren. Dies führt zu der paradoxen Situation, dass gerade die, die sich in gesellschaftlichen Randlagen befinden, am stärksten für die einfachen Antworten der AfD empfänglich sind.
Eine weitere erschreckende Erkenntnis ist die weitverbreitete Zustimmung zu populistischen Aussagen. Fast die Hälfte der befragten Jugendlichen stimmt unter anderem der These zu, dass der Staat sich mehr um Flüchtlinge als um bedürftige Deutsche kümmere. Auch die Vorstellung, eine „starke Hand“ müsse wieder für Ordnung sorgen, findet bei knapp der Hälfte der Jugendlichen Anklang. Diese Zahlen werfen die Frage auf, wie es überhaupt dazu kommen konnte, dass solche simplen und oft falschen Narrative eine so breite Akzeptanz finden.
Doch was tun gegen diese gefährliche Entwicklung? Es reicht nicht, den Populismus nur anzuprangern. Es muss eine bewusste und kontinuierliche Auseinandersetzung mit den Ursachen des Unbehagens geben. Die Verdrossenen, von denen sich viele zur AfD hingezogen fühlen, brauchen Perspektiven und das Gefühl, in der Gesellschaft nicht abgehängt zu sein. Gleichzeitig sollte der Kampf gegen populistische und rechtsextreme Inhalte im digitalen Raum intensiviert werden. Plattformen wie TikTok bieten diesen Ideen einen viel zu ungehinderten Raum.
Eine Antwort könnte in verstärkter politischer Bildung liegen. Wenn Jugendliche schon in der Schule lernen, komplexe gesellschaftliche Zusammenhänge zu verstehen, fällt es schwerer, sich von plakativen Parolen einfangen zu lassen. Auch die Förderung eines breiten gesellschaftlichen Dialogs, in dem verschiedene politische und soziale Perspektiven Raum finden, kann dazu beitragen, dass der Diskurs nicht den Rändern überlassen wird.
Der Erfolg der AfD bei jungen Wählern ist ein Alarmsignal, das ernst genommen werden muss. Nur durch langfristige Bildungsarbeit, soziale Investitionen und den Kampf gegen digitale Desinformation kann dieser Trend gestoppt werden. Es braucht dringend ein gesellschaftliches Umdenken, um den Populismus nicht noch weiter um sich greifen zu lassen. Die Shell-Studie zeigt: Noch ist nicht alles verloren, aber es ist höchste Zeit, die richtigen Schlüsse zu ziehen.
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